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Vibe Coding vs. Prompt Engineering: Wo KI hilft und wo sie zum Sicherheitsrisiko wird

Eine eigene App in wenigen Minuten, ohne eine Zeile Code selbst zu schreiben. So oder so ähnlich werben die Anbieter von KI-App-Baukästen, und für einen ersten Entwurf stimmt das sogar. Seltener erwähnt wird der Teil danach. Wer Code übernimmt, den er nicht versteht, übernimmt auch dessen Lücken. Ich nutze KI in meiner Arbeit regelmäßig und halte sie für ein mächtiges Werkzeug, solange ich weiß, was ich von ihr will und was am Ende herauskommen muss. In diesem Artikel erkläre ich dir, was Vibe Coding von Prompt Engineering unterscheidet, welche Sicherheitsrisiken entstehen, wenn ohne Plan zusammengeklickt wird, und wie du KI beim Programmieren so einsetzt, dass sie dir Arbeit abnimmt, statt dir neue zu machen.

Was Vibe Coding von Prompt Engineering unterscheidet, welche Sicherheitslücken ohne Plan entstehen und wie du KI beim Programmieren sicher einsetzt.

KategorieWebentwicklung
Lesezeitca. 11 Minuten
AutorKai Schulz
Aktualisiert19. Oktober 2026
Nahaufnahme von Programmcode in heller Schrift auf einem dunklen Monitor
Auf einen Blick
  • Vibe Coding heißt, Software per Zuruf von einer KI bauen zu lassen und den Code ungeprüft zu übernehmen. Prompt Engineering plant die Anweisung vorher, mit Kontext, Anforderungen und Grenzen.
  • In einem Test von Veracode enthielt KI-generierter Code in 45 Prozent der Aufgaben eine Sicherheitslücke aus den OWASP Top 10.
  • In einer Studie mit 576.000 Codebeispielen existierte fast jedes fünfte von der KI empfohlene Software-Paket gar nicht. Angreifer können solche Namen registrieren.
  • Für Prototypen und private Helfer ist Vibe Coding in Ordnung. Sobald Logins, Formulare oder Kundendaten im Spiel sind, braucht es einen Plan und eine Prüfung durch jemanden, der den Code versteht.

Was ist Vibe Coding?

Vibe Coding beschreibt eine Art, Software zu bauen, bei der du einer KI in Alltagssprache sagst, was du haben willst, und den erzeugten Code übernimmst, ohne ihn selbst zu lesen. Taucht eine Fehlermeldung auf, kopierst du sie zurück in den Chat und lässt die KI weitermachen. Geprägt hat den Begriff Andrej Karpathy, Mitgründer von OpenAI und früher KI-Chef bei Tesla, im Februar 2025. Er beschrieb sein Vorgehen sinngemäß so, dass er Dinge sieht, Dinge sagt, Dinge ausführt und Dinge kopiert, und dass das Ganze meistens funktioniert. Gedacht war das für Wegwerfprojekte am Wochenende.

Den Kern bildet das ungeprüfte Übernehmen. Das Fraunhofer IESE weist in seinem Beitrag zu Definition, Potenzialen und Risiken von Vibe Coding darauf hin, dass man die ursprüngliche Definition streng genommen schon verlässt, sobald man den Code reviewt oder testet. Damit ist der Ansatz per Definition Programmieren ohne Kontrolle.

Vibecoding, Vibe-Coding, Vibe Coding: was der Begriff auf Deutsch heißt

Im Deutschen findest du alle drei Schreibweisen, gemeint ist jedes Mal dasselbe. Wörtlich übersetzt heißt der Begriff etwa Programmieren nach Gefühl, die deutsche Wikipedia spricht von Coding nach Lust und Laune. Beide Varianten treffen es gut, denn beim Vibecoding steht das Ausprobieren im Vordergrund und die Planung im Hintergrund.

Vibe Coding Tools im Überblick

Die Werkzeuge lassen sich grob in zwei Gruppen teilen. App-Baukästen wie Lovable, Bolt oder Replit erzeugen aus einer Beschreibung eine komplette Anwendung mit Oberfläche, Datenbank und Hosting. Code-Assistenten wie Cursor, GitHub Copilot oder Claude Code arbeiten dagegen direkt in deinen Projektdateien und schreiben dort mit. Mit allen diesen Vibe Coding Tools lässt sich planlos klicken, mit allen lässt sich aber auch sauber arbeiten. Wie sorgfältig das Ergebnis wird, hängt an dir und nicht am Werkzeug.

Was Prompt Engineering ausmacht

Prompt Engineering ist das Gegenstück auf der Planungsseite. Statt die KI einfach machen zu lassen, formulierst du die Anweisung so, dass vorher feststeht, was herauskommen soll. Du gibst Kontext mit, nennst Anforderungen, setzt Grenzen und sagst, in welcher Form du die Antwort brauchst. Beide Begriffe hängen übrigens zusammen. Auch beim Vibe Coding schreibst du Prompts, nur eben ohne Plan dahinter.

Wie groß der Unterschied ausfällt, zeigt ein einfaches Beispiel aus dem WordPress-Alltag.

Prompt ohne Plan Prompt mit Plan
Bau mir ein Kontaktformular für meine Website. Schreib ein Kontaktformular als WordPress-Plugin für PHP 8.2 mit den Feldern Name, E-Mail und Nachricht. Prüf und bereinige alle Eingaben serverseitig, sichere das Formular mit einem Nonce gegen CSRF ab und ergänze ein Honeypot-Feld gegen Spam. Speichere nichts in der Datenbank, versende die Nachricht per wp_mail an eine feste Adresse. Erklär mir jeden Abschnitt, bevor du den nächsten schreibst.

Der zweite Prompt dauert eine Minute länger. Dafür steht Sicherheit als Anforderung im Auftrag, statt dem Zufall überlassen zu bleiben.

Prompting ist noch kein Engineering

Prompting, also das Eintippen einer Frage in ChatGPT oder Claude, gehört für viele längst zum Alltag. Zum Engineering wird es erst, wenn du systematisch vorgehst. Du testest Formulierungen, vergleichst Ergebnisse und hältst fest, welche Anweisung zuverlässig funktioniert. Bei Texten gilt übrigens dasselbe Prinzip, woran du unbearbeitete Entwürfe erkennst, habe ich im Beitrag KI-Texte erkennen beschrieben.

Was ein Prompt Engineer macht

Ein Prompt Engineer entwickelt und testet solche Anweisungen beruflich, etwa für Chatbots, interne Assistenten oder automatisierte Abläufe. Als eigene Stelle ist das eher selten zu finden. Häufiger ist Prompt Engineering eine Fähigkeit, die Entwickler, Texter und Marketer zusätzlich mitbringen.

Context Engineering als nächster Schritt

Inzwischen fällt oft der Begriff Context Engineering. Gemeint ist, dass die KI neben der Anweisung auch das passende Umfeld bekommt, also bestehende Dateien, Dokumentation, Regeln für den Code und frühere Entscheidungen. Je mehr die KI über dein Projekt weiß, desto weniger muss sie raten. Für mich ist das die logische Weiterentwicklung von Prompt Engineering und kein Ersatz dafür.

Zwei Arbeitsweisen im direkten Vergleich

Beide Ansätze nutzen dieselben Sprachmodelle und oft sogar dieselben Programme. Der Unterschied liegt darin, wer das Steuer in der Hand hat.

Vibe Coding Prompt Engineering
Ausgangspunkt eine Idee, spontan beschrieben Anforderungen, die vorher feststehen
Rolle des Menschen Ideengeber, der Ergebnisse durchwinkt Auftraggeber, der Vorgaben macht und prüft
Umgang mit Fehlern Fehlermeldung zurück an die KI Ursache verstehen und gezielt korrigieren
Sicherheit nur, wenn die KI zufällig daran denkt feste Anforderung im Prompt
Geeignet für Prototypen, private Helfer, Experimente alles, was live geht oder Daten verarbeitet
Voraussetzung kaum Vorwissen Verständnis für das, was entstehen soll

Eine KI baut, was du beschreibst. Was du nicht beschreibst, baut sie nur ein, wenn sie zufällig daran denkt.

Genau hier sieht Jens Wessling, Technikchef des Sicherheitsanbieters Veracode, das Problem. Beim Vibe Coding würden Sicherheitsanforderungen in der Regel gar nicht erst formuliert, schreibt er zur Vorstellung des GenAI Code Security Report 2025. Was im Prompt fehlt, fehlt meist auch im Code.

Aufgeklappter Laptop mit beleuchteter Tastatur neben einem Notizbuch mit Stift auf einem dunklen Tisch

Welche Risiken Vibe Coding birgt

Ich halte KI beim Programmieren für ein starkes Werkzeug. Gerade deshalb lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Zahlen, denn die Fehler, die beim planlosen Zusammenklicken entstehen, sieht man einer fertigen Anwendung nicht an. Sie läuft, sieht gut aus und hat trotzdem offene Türen.

Sicherheitslücken in fast jedem zweiten Fall

Veracode hat für den genannten Report über 100 Sprachmodelle mit 80 Programmieraufgaben getestet. In 45 Prozent der Fälle enthielt der erzeugte Code eine Schwachstelle aus den OWASP Top 10, der bekanntesten Liste der kritischsten Risiken für Webanwendungen. Gegen Cross-Site-Scripting, bei dem Angreifer eigene Skripte in eine Seite einschleusen, war der Code in 86 Prozent der Fälle nicht abgesichert. Bei Java lag die Fehlerquote über 70 Prozent, bei Python, C# und JavaScript zwischen 38 und 45 Prozent. Die Modelle schreiben also Code, der funktioniert, aber oft nicht sicher ist.

Erfundene Pakete als Einfallstor

Sprachmodelle schlagen gern Bibliotheken vor, die es gar nicht gibt. Eine auf der USENIX Security 2025 vorgestellte Studie zu Paket-Halluzinationen hat 576.000 Codebeispiele aus 16 Modellen ausgewertet. 19,7 Prozent der empfohlenen Pakete existierten nicht. Ärgerlich wäre das nur, wenn die Namen zufällig wären. Als die Forschenden 500 Anfragen jeweils zehnmal wiederholten, tauchte in 43 Prozent der Fälle derselbe erfundene Name in jedem Durchlauf wieder auf.

Angreifer können solche Namen in öffentlichen Paketverzeichnissen registrieren und mit Schadcode füllen, das Ganze heißt inzwischen Slopsquatting. Wer einfach installiert, was die KI vorschlägt, holt sich im schlimmsten Fall genau so ein Paket ins Projekt.

Offene Datenbanken in fertigen Apps

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Schwachstelle CVE-2025-48757. Der Entwickler Matt Palmer hat im Frühjahr 2025 insgesamt 1.645 Anwendungen aus dem öffentlichen Showcase des App-Baukastens Lovable geprüft. Bei 170 davon fehlte in der Datenbank die sogenannte Row Level Security, also die Regel, wer welche Datensätze lesen darf. Über frei zugängliche Schnittstellen ließen sich Namen, E-Mail-Adressen, Finanzdaten und API-Schlüssel abrufen. Die Apps funktionierten und wirkten fertig, waren aber für jeden offen, der wusste, wo er suchen muss.

Kundendaten im Prompt

Ein Risiko entsteht schon vor der ersten Codezeile. Wer echte Kundendaten, Zugangsdaten oder Datenbankauszüge in einen Chat kopiert, damit die KI einen Fehler findet, gibt diese Daten an einen externen Dienst weiter. Für eine Website, die personenbezogene Daten verarbeitet, ist das auch eine Frage des Datenschutzes. Worauf du dabei grundsätzlich achten solltest, habe ich im Beitrag zur DSGVO-konformen Website zusammengefasst.

Hand an der Tastatur vor unscharfen Bildschirmen mit Code, im Vordergrund eine Computermaus, in blauem Licht

Programmieren mit KI: So arbeitest du mit Plan

Die gute Nachricht ist, dass sich die meisten dieser Risiken mit überschaubarem Aufwand vermeiden lassen. Das BSI und die französische Cybersicherheitsbehörde ANSSI haben schon 2024 gemeinsame Empfehlungen für KI-Programmierassistenten veröffentlicht. Die Grundhaltung darin ist eindeutig, KI-generierter Code wird nicht blind übernommen. Mit diesen sieben Schritten bleibt die KI ein Werkzeug und wird nicht zum Risiko.

  1. Schreib vor dem ersten Prompt auf, was das Ergebnis können muss und was auf keinen Fall passieren darf, Sicherheitsanforderungen eingeschlossen.
  2. Gib Kontext mit, also Systemumgebung, Versionen, bestehende Struktur und deine Regeln für den Code.
  3. Arbeite in kleinen Schritten und lass dir jeden Abschnitt erklären, bevor der nächste kommt.
  4. Prüf jedes vorgeschlagene Paket vor der Installation darauf, ob es existiert, verbreitet ist und gepflegt wird.
  5. Kopier keine echten Kundendaten, Passwörter oder API-Schlüssel in den Chat, sondern arbeite mit Testdaten.
  6. Teste auf einer Staging-Umgebung mit Backup und nie direkt auf der Live-Seite.
  7. Lass den Code vor dem Livegang von jemandem prüfen, der ihn versteht, und ergänze automatische Codeanalyse, wie sie auch Veracode empfiehlt.

Für WordPress-Seiten kommen dieselben Grundlagen dazu wie bei jedem anderen Code, die wichtigsten habe ich im Beitrag zur WordPress Sicherheit gesammelt. Wie Planung bei einer Website insgesamt aussieht, zeigt mein Webdesign-Prozess.

Wann Vibe Coding völlig in Ordnung ist

Ich will Vibe Coding nicht schlechtreden. Für einen Klickdummy, mit dem du eine Idee testest, für ein kleines Skript, das nur auf deinem Rechner läuft, oder für ein Experiment am Wochenende ist es schnell und günstig. Genau dafür hat Karpathy den Begriff ursprünglich verwendet. Das Fraunhofer IESE empfiehlt ein hybrides Modell mit Vibe Coding für Tempo und Ideenfindung und klassischer Entwicklung für Qualität, Sicherheit und Skalierung.

Wo die Grenze liegt

Für mich ist die Grenze erreicht, sobald eine Anwendung öffentlich erreichbar ist und mit Daten arbeitet. Logins, Kontaktformulare, Zahlungen, Kundenkonten und alles mit personenbezogenen Daten gehören nicht in ungeprüften KI-Code. Die KI darf hier gern mitschreiben. Was live geht, entscheidet aber ein Mensch, der versteht, was der Code tut.

Fazit

Vibe Coding und Prompt Engineering arbeiten mit denselben Werkzeugen und trennen sich an einer Stelle, dem Plan. Wer weiß, was er bauen will, Anforderungen formuliert und das Ergebnis prüft, spart mit KI viel Zeit und bekommt trotzdem sauberen Code. Wer zusammenklickt, was gerade funktioniert, baut Anwendungen mit Lücken, die man von außen nicht sieht. Die Zahlen von Veracode und die offenen Lovable-Apps zeigen, dass das kein theoretisches Risiko ist.

Du hast eine Idee für ein Tool, ein Plugin oder eine Website und willst KI dafür nutzen, ohne dir Sicherheitslücken einzufangen? Schreib mir eine Nachricht, ich schaue mir dein Vorhaben an und sage dir, wo KI hilft und wo ich auf individuelle Webentwicklung setzen würde.

Über den Autor

Kai Schulz

Freelance Webdesigner und SEO/GEO-Berater aus Pforzheim

Nach meinem BWL-Studium habe ich zehn Jahre Berufserfahrung im digitalen Marketing gesammelt. Seit Mai 2024 arbeite ich selbstständig als Freelance Webdesigner und SEO-Experte in Pforzheim, seit Januar 2025 in Vollzeit, und betreue Unternehmen und Agenturen.

Beitrag aktualisiert und geprüft am: 19. Oktober 2026

Häufig gestellte Fragen

01 Was ist der Unterschied zwischen Vibe Coding und Prompt Engineering?

Beim Vibe Coding beschreibst du spontan, was du willst, und übernimmst den Code der KI ungeprüft. Fehlermeldungen gehen einfach zurück an die KI. Prompt Engineering plant die Anweisung vorher, mit Kontext, Anforderungen und Grenzen, und das Ergebnis wird geprüft. Beide nutzen dieselben Werkzeuge, der Unterschied liegt in Planung und Kontrolle.

02 Ist Vibe Coding gut?

Für Prototypen, private Helfer und Experimente ist Vibe Coding eine schnelle und günstige Lösung. Für Anwendungen, die öffentlich erreichbar sind oder Daten verarbeiten, ist es riskant. In einem Test von Veracode enthielt KI-generierter Code in 45 Prozent der Aufgaben eine Sicherheitslücke, die ohne Prüfung niemand bemerkt.

03 Was heißt Vibe Coding auf Deutsch?

Wörtlich übersetzt bedeutet Vibe Coding so viel wie Programmieren nach Gefühl, die deutsche Wikipedia nennt es Coding nach Lust und Laune. Im Deutschen sind die Schreibweisen Vibe Coding, Vibe-Coding und Vibecoding verbreitet. Gemeint ist immer, Software per Beschreibung von einer KI bauen zu lassen und den Code ungeprüft zu übernehmen.

04 Wie nennt man Programmieren mit KI?

Als Oberbegriff sind KI-Coding oder KI-gestützte Softwareentwicklung üblich. Vibe Coding ist eine Spielart davon, bei der der Code ungeprüft übernommen wird. Steuert ein Mensch die KI gezielt und prüft die Ergebnisse, spricht das Fraunhofer IESE von KI-gestütztem Software Engineering.

05 Wird Prompt Engineering durch etwas anderes ersetzt?

Häufig fällt dazu der Begriff Context Engineering. Dabei bekommt die KI neben der Anweisung auch das Umfeld des Projekts, etwa bestehende Dateien, Dokumentation und Regeln für den Code. Das löst Prompt Engineering nicht ab, es baut darauf auf. Eine präzise Anweisung bleibt die Grundlage für brauchbare Ergebnisse.

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